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Windkraftanlagen - nicht nur im Norden

Auch in unserer näheren Umgebung finden sich mittlerweile Windkraftanlagen. Weitere Informationen finden auf den Seiten vom Windpark "Hettinger Eulsberg" und dem Windpark "Altheimer Höhe".

 

Geschichte

Die mittelalterliche Windmühle stellte im vorindustriellen Europa, neben den Wassermühlen, die wichtigste Antriebsmaschine dar. Sie diente vor allem der Müllerei, dem Sägewerk und dem Transport des Wassers. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wuchs die Bedeutung der Windmühle als wirtschaftliche Einrichtung. Zu diesem Zeitpunkt drehten sich ungefähr 200.000 Windmühlen. Mit der Erfindung und Einsatz der Dampfmaschine begann das "Absterben" der Windmühlen.

Erst durch drei, in den 70er und 80er Jahren, einsetzende Krisen konnte eine Veränderung in der Energiewirtschaft und -politik erreicht werden: die Ölkrise, die Kernenergiekrise und die Umweltkrise. Ende Januar 1983 konnte die erste 3,0 MW-Anlage im Kaiser-Wilhelm-Koog in Betrieb genommen werden. Die Anlage stand jedoch 99% der Zeit still und musste schließlich nach zahlreichen technischen Defekten 1988 abgerissen werden. Durch die Forschung und Weiterentwicklung der Windenergie-Technik konnten in den letzten beiden Jahrzehnten vermehrt leistungsfähigere und leisere Windkraftanlagen in Betrieb genommen werden. Die Energie, die aus der Windkraft gewonnen werden konnte, deckte bereits 1994 4% des schleswigholsteinischen Strombedarfes.

Windkraftanlagentechnik

Mit Hilfe von Windkraftanlagen kann die in den strömenden Luftmassen vorhandene kinetische Energie, in elektrische Energie umgewandelt werden. Dabei lassen sich Windkraftanlagen u.a. durch folgende Merkmale klassifizieren:
  • Stellung der Rotorachse (horizontal, vertikal)
  • Anzahl der Rotorblätter
  • Möglichkeit der Leistungsregulierung (stall oder pitch)
  • Art des Generators (Synchron-, Asynchrongenerator)
  • Art der Netzkopplung (direkt oder indirekt).

Nach derzeitigem Stand der Technik und Betrachtung der Konzeptionsmöglichkeiten hat sich der Horizontalachsenkonverter als die beste Lösung herausgestellt. Solch eine netzgekoppelte Anlage besteht aus den folgenden Komponenten: dem Rotor (bestehend aus Rotorblätter(n) und -nabe), ggf. dem Getriebe, dem Generator, dem Turm, dem Fundament und dem Netzanschluß.

Energieverbrauch in Deutschland 1995

  • Mineralöl: 41 %
  • Steinkohle: 14 %
  • Braunkohle: 12 %
  • Erdgas: 20 %
  • Kernkraft: 11 %
  • regenerative Energien: 2 %
  • sonstige: 1 %

Der hohe Anteil der fossilen Energieträger birgt dabei eine Reihe von Gefahren in sich. Die bei der Verbrennung dieser Energieträger entstehenden Luftschadstoffe wirken entweder direkt ("Saurer Regen") oder indirekt auf die Bäume ein und schädigen diese dadurch nachhaltig. Die Folge ist ein verstärkt eintretendes Waldsterben. Andererseits reichern sich immer mehr Spurengase in der Atmosphäre an und verstärken durch ihre wärmespeichernde Wirkung den natürlichen Treibhauseffekt. Die seit der "Ölkrise" verstärkte Nutzung der Kernenergie bringt das unausweichliche Problem der Endlagerung radioaktivem Materials und ein großes Akzeptanzproblem bei der Bevölkerung mit sich.

Um diese bisherige Form der Energieversorgung neuzuorientieren schlug die Enquete-Kommission zum "Schutz der Erdatmosphäre" ein Zusammenwirken folgender drei Bausteine vor:

  • Energieeinsparung
  • effizientere Energieerzeugung
  • Einsatz regenerativer Energieträger.

Potential

Um die Möglichkeiten der Windenergienutzung in Deutschland zu beschreiben, muss man die technischen Potentiale dieser Art der Energieerzeugung untersuchen. Dieses wurde bislang von den verschiedensten Institutionen durchgeführt. Ein Problem dabei birgt die Zugehörigkeit der entsprechenden Autoren zu unterschiedlichen Lobbygruppen in sich. So stellt Ottfried Wolfrum in seinem Buch "Windkraft - Eine Alternative, die keine ist." bezogen auf eine von der RWE-Tochter Lahmeyer International durchgeführte Studie fest, dass Deutschland über ein Ertragspotential "von maximal 59 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr" verfügt.

Im Gegensatz dazu gibt sogar das den Erneuerbaren Energien ansonsten eher skeptisch gegenüberstehende Bundeswirtschaftsministerium ein Gesamtpotential von 283 Mrd. kWh an. Kaltschmitt und Wiese unterscheiden zunächst zwischen dem eigentlichen Erzeugungspotential und dem jeweiligen Substitutionspotential. Bei der Berechnung des Stromerzeugungspotentials wurden nur Gebiete mit einer Windgeschwindigkeit von über 4 m/s als geeignet angesehen, bestimmte Restriktionen wie das Vorhandensein von Waldfläche, Siedlungs-oder Naturschutzgebieten beachtet und der mittlere Flächenbedarf derzeit marktgängiger Windkraftanlagen zu Grunde gelegt.

Als Ergebnis kamen die beiden Autoren zu einem Potential von 104-128 TWh/a, das einen Anteil von 19,8-24,3% an der gesamten Bruttostromerzeugung Deutschlands von 1993 darstellt. Abzüglich auftretender Netz-und Speicherverluste errechnet sich das Potential der substituierbaren Endenergie auf 14-84 TWh/a, was 1993 einem Anteil von 3,2-19,5% am Endenergieverbrauch an elektrischer Energie in Deutschland entspräche. Zur Berechnung der substituierten Primärenergie muß zusätzlich der kumulierte Energieaufwand berücksichtigt werden. Bezogen auf den Primärenergieverbrauch Deutschlands in 1993 könnte die Windkraft damit einen Anteil von 0,8-5,5% des Primärenergieverbrauchs abdecken. Zum Jahresende 1997 drehten sich in Deutschland 5.193 Anlagen und erzeugten ungefähr 2,0 TWh/a. Damit wird deutlich, dass das technische Potential für die Windkraftnutzung noch längst nicht ausgeschöpft ist.


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